Pille macht Platz für den Ring
Während die Pille fast 50 Jahre lang unangefochten das Mittel Nummer eins zur hormonellen Empfängnisverhütung war, lässt sich in den letzten Jahren ein interessanter Wandel erkennen.
Bis 1997 entschieden sich noch 97,5 Prozent aller Frauen im Falle einer hormonellen Verhütung für die Pille. Ihre nahezu 100&-ige Sicherheit war und ist für die meisten der ausschlaggebende und wichtigste Faktor. Allerdings geht sie nicht spurlos an den Frauen dieser Welt vorüber, sondern schadet durch ihre hohe hormonelle Belastung. Deswegen greifen immer mehr Frauen auf moderne Alternativen zur Anti-Baby-Pille zurück.
Der erst seit vier Jahren auf dem Markt erhältliche Verhütungsring hat bereits 6,1% der deutschen Frauen von der Pille für sich überzeugt und landet damit auf Platz zwei der häufigsten Verhütungsmethoden der Deutschen. Der flexible, transparente Hormonring muss nur ein Mal im Monat gewechselt werden, was die Gefahr des Vergessens deutlich verringert. Der Ring setzt die Hormone direkt in der Scheide frei und gelangt nicht erst auf Umwegen über den Magen-Darm-Trakt dorthin, was eine sehr niedrige Östrogendosierung ermöglicht. Zudem haben Magen-Darm-Erkrankungen keine Auswirkungen auf die Wirkungsweise des Hormons im Gegensatz zur Pille. Ähnlich wie bei der Pille verändert das im Ring enthaltene Hormon Östrogen die Schleimhaut der Gebärmutter so, dass sich ein befruchtetes Ei nicht einnisten könnte. Er ist einfach wie ein Tampon in die Scheide einzuführen und verspricht einen stabileren Zyklus ohne Schmier- und Zwischenblutungen. Dadurch gewährt er ebenso wie der Altklassiker Pille einen extrem hohen Empfängnisschutz und überzeugt durch die einfache Anwendung sowie die niedrigste Östrogendosierung aller Verhütungsmittel überhaupt.
Die moderne Medizin und die fortschreitende pharmazeutische Forschung bieten den Frauen nach und nach immer mehr Möglichkeiten der zuverlässigen Empfängnisverhütung. Was auf dem Markt allerdings immer noch ein Manko bleibt, ist die "Pille für den Mann". Aktuell finden dazu an der University of North Carolina Studien zur Behandlung mit Ultraschall für Männer statt: durch die Bestrahlung der Hoden mit Ultraschall soll die Spermien-Produktion zeitweise ausgesetzt werden und der Mann dadurch für bis zu sechs Monaten unfruchtbar gemacht werden. Diese Methode wäre zeitlich begrenzt und reversibel, da die Spermienproduktion nach sechs Monaten von selbst wieder einsetzt. Die Hochfrequenzbehandlung hinterließe scheinbar keine dauerhaften Schäden bei den Männern.
Dieser kontrazeptive Effekt von Ultraschall wird seit den 70er Jahren erforscht und im Jahr 2007 hatte man dazu in Italien erstmals erfolgreiche Versuche mit Hunden verzeichnen können. Die ersten Tests an der University of North Carolina mit Männern waren bereits vielversprechend, nun folgt die Feinabstimmung. Danach wird sich herausstellen, ob damit langfristig eine Verhütungsmethode für den Mann gegeben ist und ob sich Frauen überhaupt darauf einlassen würden, diese Verantwortung dem Mann zu überlassen. Gemeinhein geht man nämlich eher davon aus, dass Frauen ihrem Sexualpartner in Sachen Verhütung nicht bedingungslos vertrauen würden.