Neue Studie zu Hausgeburten
Für viele werdende Eltern ist die Frage, wo und wie das Kind zur Welt kommen soll, von großer Bedeutung. US-Forscher haben nun herausgefunden, dass Hausgeburten den Müttern ausgesprochen gut tun. Für die Kinder können sie jedoch ein erhöhtes Risiko darstellen.
Hausgeburten wirken sich positiv auf die Gesundheit der Mütter aus
700.000 Kinder kommen jedes Jahr in Deutschland zur Welt, 1,5 Prozent davon, also etwa 10.000 Babys, kommen zu Hause oder an anderen Orten außerhalb einer Klinik zur Welt. Die Mütter fühlen sich in der vertrauten Umgebung nicht nur wohler, sondern die eigenen vier Wände wirken sich auch positiv auf die Gesundheit der Frauen aus. So ermittelte ein Forschungsteam um den Mediziner Joseph R. Wax vom Maine Medical Center in Portland, dass zu Hause gebärende Mütter weniger Schmerzmittel verabreicht bekämen. Außerdem werden bei Hausgeburten weniger Damm- und Kaiserschnitte vorgenommen als im Krankenhaus und die Frauen leiden seltener an Infektionskrankheiten. Auch die geringe Anzahl der Frühgeburten und von Kindern mit Untergewicht spricht für die Geburt der Kinder in den eigenen vier Wänden.
Nur Gutes haben die Forscher über die Geburten daheim aber nicht zu vermelden. So ergaben ihre Studien auch, dass Säuglinge, die zu Hause zur Welt kommen, ein dreimal höheres Sterberisiko haben: Deutlich mehr Kinder starben bei Hausgeburten an Atemnot als im Krankenhaus. Die Ursachen dafür liegen nach Ansicht der Mediziner an fehlenden medizinischen Fachkräften und mangelnder technischer Ausrüstung für Wiederbelebungsmaßnahmen.
Andere Studien, andere Ergebnisse
Zu bedenken gilt allerdings, dass wissenschaftliche Studien nie alle relevanten Merkmale erfassen können. So kann die hohe Sterblichkeit der Kinder, die zu Hause zur Welt kamen, teilweise auch durch andere Faktoren zu erklären sein. Die amerikanischen Forscher bemerkten zudem selbst, dass die Gruppe der Mütter, für die Hausgeburten überhaupt in Frage kämen, generell zu einer niedrigeren Risikogruppe gehören würden. Schon die Schwangerschaftswochen verliefen bei ihnen durchschnittlich mit weniger Komplikationen. Die positiven Ergebnisse bei den Hausgeburten könnten so auch an einer generell entspannteren Klientel liegen.
Andere Studien, so etwa die einer kanadischen Forschergruppe um Patricia Janssen von der Universität von British Columbia in Vancouver, kam so 2009 auch zu anderen Ergebnissen. Die Wissenschaftler konnten damals kein erhöhtes Risiko für Frauen feststellen, die in den eigenen vier Wänden gebären. Sowohl bei Haus- als auch bei Klinikgeburten stellten sie weniger als einen Todesfall auf 1.000 Neugeborene fest.
Sicherheit gibt es auch zu Hause
Deshalb sollten Frauen auch mit diesem Wissen eine Geburt zu Hause nicht ausschließen. Nur sollten sie gewisse Vorsichtsmaßnahmen ergreifen, rät auch der Mediziner Professor Sir Sabaratnam Arulkumaran, Vorsitzender des Royal College of Obstetricians and Gynaecologists. Er empfiehlt Frauen bei der Hausgeburt zwei Hebammen, die sich zudem gut mit Wiederbelebungsmaßnahmen auskennen sollten. "Wenn dieses System eingeführt wird, dann ist eine Hausgeburt für Frauen mit einem geringen Geburtsrisiko eine Alternative", glaubt Arulkumaran. Es gilt aber allerdings zu bedenken, sagt der Gynäkologe, dass jede dritte Mutter nach der Geburt doch noch zur Schmerzbehandlung ins Krankenhaus verlegt wird.